1. Jahrestag der Hausdurchsuchungen 

Dez 5, 2018 | Aktuelles, Alle, Neuigkeiten, Statements

Heute, am 5. Dezember 2018, jähren sich die Hausdurchsuchungen bei 28 Anhängern unserer Sportgemeinschaft zum ersten Mal. Damals waren wegen dem Fanmarsch der Football Army Dynamo Dresden in Karlsruhe 34 Wohnungen und Objekte durch die Staatsanwaltschaft und Polizei Karlsruhe mit Unterstützung ihrer Dresdner Kollegen durchsucht worden.

Dabei traf es auch vollkommen Unbeteiligte, wie z. B. die Ex-Freundin eines Dynamofans. Beschlagnahmt wurden alle auffindbaren Speichermedien, Computer, Handys, Tablets, aber auch T-Shirts und Sammlungen von Eintrittskarten. Eine Durchsuchung des Dresdner Fanprojektes konnte nur durch die energischen Proteste des damaligen Leiters Torsten Rudolph verhindert werden.

In einer am selben Tag stattfindenden Pressekonferenz der Karlsruher Staatsanwaltschaft und Polizei mussten diese jedoch nach kritischen Fragen der anwesenden Journalisten zugeben, dass es sich bei den Betroffenen der Hausdurchsuchungen keinesfalls um Personen handelte, die im Verdacht standen, Pyro abgebrannt, Polizisten mit Böllern beworfen, oder am Einlasssturm beteiligt gewesen zu sein. Vielmehr sollen sie die Organistoren des – so wird es von den Ermittlungsbehörden behauptet – von langer Hand geplanten Fanmarsches sein.

Über die Hintergründe haben wir bereits an verschiedenen Stellen ausführlich berichtet. Hier soll es darum gehen, was im letzten Jahr passiert ist.

Wie also sieht die Situation heute aus?

Die Betroffenen müssen nun seit über einen Jahr mit der Ungewissheit leben, nicht zu wissen, wann und ob es zu einer Anklage kommt. Ein langwieriger und schwieriger Prozess ist zu erwarten. Ein Großteil der bei den Untersuchungen beschlagnahmten Gegenstände wurde mittlerweile zurückgegeben. Trotzdem verursachten die beschlagnahmten Gegenstände enorme Kosten und Aufwand: weil sie solange nicht verfügbar waren, mussten Ersatzgeräte, also neue Handys und Computer angeschafft werden.

Jeder der Betroffenen muss sich nicht nur psychologisch mit der äußerst ungewissen, aber persönlich bedrohlichen Situation auseinandersetzen. Jedem wurde ein Anwalt zur Seite gestellt. Diese waren in den vergangenen Monaten mit der Sichtung der umfangreichen Ermittlungsakten beschäftigt, die teilweise nur aufgrund wiederholter und hartnäckiger Forderungen der Anwälte zur Verfügung gestellt wurden.

Mitte des Jahres gab es dann eine im Zusammenhang mit Karlsruhe stehende Kontopfändung. Hier musste der Forza Dynamo e.V. eine Summe von 22.330 Euro (ein sogenannter Vermögensarrest) bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe hinterlegen. Diese Kosten wurden durch das SoKo übernommen.
Im Sommer wurde bekannt, dass weitere Personen wegen Karlsruhe eine Vorladung durch die Polizei bekommen haben. Es wird also noch ein langer und anstrengender Weg, bei dem wir auf Eure Unterstützung angewiesen sind.

 

Das Solidaritätskomitee Dynamo wurde gegründet, in dem Fans aus unterschiedlichen Gruppen – immer in Absprache mit den Betroffenen – zusammenarbeiten, um zum einen mit vielfältigen Sammelaktionen die anfallenden, extrem hohen und privat nicht tragbaren, Kosten zu decken, und die zahlreichen Initiativen verschiedenster Gruppen zu koordinieren. Wir veröffentlichten einige ausführliche Hintergrundtexte in verschiedenen Publikationen, informierten die Mitglieder und Fans über den Stand, gaben Interviews und nahmen zuletzt an einer Diskussionsveranstaltung in Magdeburg teil, um den Fall auch außerhalb von Dynamo bekannter zu machen.

Neben den vielen Fans, die an den unterschiedlichsten Aktionen teilnahmen, ist die öffentliche Unterstützung unseres Vereins, der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden ein starkes Signal, dass die Rede von der „Wichtigkeit der Fans“ nicht nur eine Gerede ist, sondern auch praktisch gezeigt wird. So gab es neben der Auflage eines Sondertrikots, in dessen Werbetrailer Spieler und Trainer warben, auch immer wieder unterstützende Aussagen:

So sagt Ralf Minge, Geschäftsführer Sport: „Der Zusammenhalt und der Gemeinschaftsgeist stehen in unserem Verein an erster Stelle. Das schließt auch die Fans ein, die im Nachgang des Fanmarschs in Karlsruhe von Hausdurchsuchungen und Ermittlungen betroffen waren und sind, denen aber bis heute keine Beteiligung an einer Straftat vorgeworfen wird. Es geht hierbei sowohl um finanzielle Unterstützung, aber auch um das Gefühl von Rückhalt innerhalb der Sportgemeinschaft, das für die Betroffenen mindestens genauso wichtig ist. Von Straftätern werden wir uns jederzeit klar distanzieren. Hier geht es jedoch um Menschen, die seit Jahren einen offenen, kritischen und konstruktiven Dialog mit den Verantwortlichen des Vereins pflegen, die sich innerhalb der Fanszene und im Block bereits gegen Straftäter gestellt haben und die sich weit über das erwartbare Pensum hinaus für die Belange des Vereins einsetzen, beispielsweise beim Thema Traditionspflege.“

Das Fanprojekt bilanziert nach einem Jahr: „Die Hausdurchsuchung in unseren Räumen stellte eine Zäsur dar, die uns als Akteur im Fußballnetzwerk schwer getroffen hat. Für uns ist eine der Konsequenzen aus dieser damals versuchten, glücklicherweise aber zumindest teilweise verhinderten Durchsuchung hier im Fanprojekt die noch intensivere Bemühung um ein Zeugenaussageverweigerungsrecht für Sozialarbeiter.“

Bisher hat sich keiner der Angeklagten aus der Fanszene verabschiedet. Wir freuen uns sehr, dass der überwiegende Teil unserer Gemeinschaft nicht nur Geld gespendet hat, sondern auch viele kreative Aktionen organisiert hat. Auf der letzten Mitgliederversammlung Mitte Dezember konnte Corinna auf der Bühne das SoKo vorstellen. Der starke Applaus der Mitglieder bestätigte das SoKo in seiner Arbeit und war ein sehr wichtiges Signal an die Betroffenen der Ermittlungen, dass sie nicht allein sind.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern bedanken. Wir bitten euch, die 28 Betroffenen und die für sie schwierigen Umstände nicht zu vergessen, nur weil eine vergleichsweise lange Zeit vergangen ist, sich aber an der Unterstützung unserer Mannschaft durch Choreos und ähnliches nichts geändert hat. Dies ist vielmehr ein Verdienst der Betroffenen, in dieser für sie schwiergien Zeit nicht aufzugeben.

Also, es gilt wie immer: Was zählt ist der Zusammenhalt!

Euer Solidaritätskomitee Dynamo

SPENDET FÜR DIE BETROFFENEN

IBAN: DE16 8505 0300 0221 1476 91 BIC: OSDDDE81XXX EMPFÄNGER: SCHWARZ-GELBE HILFE e.V

Bitte spendet für die Verfahrenskosten entweder auf das hier angegebene Konto oder bei den Sammelaktionen, die es ab sofort bei den Heim- und Auswärtsspielen der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden geben wird. Außerdem: werdet Mitglied in der Schwarz Gelben Hilfe! www.schwarz-gelbe-hilfe.de oder persönlich zu jedem Heimspiel am SGH-Stand hinter dem K-Block! Ob jung, ob alt: was zählt ist der Zusammenhalt!

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