Verband strebt Dialog mit Ultras an

Der Deutsche Fußball-Bund strebt Gespräche mit den aktiven Fanszenen über drängende Probleme an. Als Entgegenkommen empfiehlt der Verband seinem Kontrollausschuss, keine Kollektivstrafen mehr zu beantragen. Fanvertreter begrüßen den Vorstoß.
„Bis auf weiteres“ wolle der DFB „keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr“, so DFB-Präsident Reinhard Grindel in einer am Mittwoch (16.08.17) veröffentlichten Erklärung. Die Empfehlung an den Kontrollausschuss sehe vor, „darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“.
Verbände wie der DFB und die Deutsche Fußball-Liga auf der einen sowie Teile der sogenannten Ultra-Bewegung auf der anderen Seite stehen sich seit Monaten unversöhnlich gegenüber. Die Unterbrechung des Pokalspiels zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC (0:2) am Montagabend hatte die Debatte um Fankrawalle in Deutschland wieder einmal erhitzt.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, um gemeinsam in den Dialog einzutreten“, sagte Grindel in seiner Erklärung. Der DFB-Präsident lud Ultra-Vertreter ein, sich mit dem DFB, seiner Arbeitsgruppe Fankulturen sowie anderen Fan-Organisationen an einen Tisch zu setzen. „Wir müssen im Dialog Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Linien und Grenzen festlegen.“

Fanvertreter begrüßen den Vorstoß
Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte sieht die Offensive des DFB als „einen Schritt in die richtige Richtung.“ Der Verzicht auf Kollektivstrafen sei wichtig für die Beziehung zwischen Fans, Verbänden und Vereinen. In der Vergangenheit habe es zu DFB und DFL massive Vertrauensprobleme gegeben. „Der Dialog wurde von den Fans in den vergangenen Jahren als nicht ernst gemeint empfunden, sondern eher als Alibi.“ Er hoffe nun, dass auch die Ultras das Angebot annähmen und sich mit den Verbandsvertretern wieder an einen Tisch setzten. Nur so könne man auch das Gewaltproblem lösen, so Gabriel.
DFB-Präsident Grindel – „Wir wollen ein positives Stadionerlebnis für alle“

Auch das Bündnis „Unsere Kurve“ begrüßte den Vorstoß. „Das ist eine Forderung, die wir dauerhaft eingefordert haben“, sagte Sprecher Rainer Vollmer hinsichtlich der Kollektivstrafen. Auch von Vereinsseite gab es positive Reaktionen: „Es war dringend an der Zeit, dass der DFB insbesondere seine Praxis der kollektiven Bestrafung von Fan-Fehlverhalten überdenkt“, erklärte Präsident Werner Spinner vom 1. FC Köln. „Ich hoffe, dass es unter anderem auf Grundlage der Erklärung nun möglich ist, auf allen Seiten – DFB, Liga, Vereine und Fans – eine neue Vertrauensbasis aufzubauen.“
Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 16.08.17, 22.50 Uhr

dpa | Stand: 16.08.2017, 10:32

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