Dynamofans gehen für Fanrechte auf die Straße

Mrz 8, 2019 | Aktuelles, Neuigkeiten

Am letzten Sonntag, dem 3. März, fanden sich rund 2000 Dynamofans an der Cockerwiese ein, um vor dem Spiel gegen den VfL Bochum gegen die in Sachsen geplanten neuen Polizeigesetze zu demonstrieren. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Polizei zur besseren Überwachung der Demonstration Kameras auf den Hochhäusern in der Nähe des Treffpunktes aufgebaut hatte.
Nach einer kurzen Begrüßung setzte sich der Zug in Bewegung, und mit lauten Sprechchören wie „Fußballfans sind keine Verbrecher!“ und „Stoppt das neue Polizeigesetz!“ ging es zur Schießgasse. Hier hielt Corinna Funke vom SoKo während der Zwischenkundgebung eine Rede, die wir hier für euch dokumentieren möchten:
Wir sind heute hier an einem Platz, den niemand freiwillig besuchen würde. Aber für den Protest gegen die neuen Polizeigesetze ist das so unangenehm wie wichtig: Hier in der Schießgasse hat die Polizeidirektion Dresden ihren Sitz. Es ist auch für uns ungewöhnlich, heute an einer Demonstration teilzunehmen, anstatt jetzt schon im Ackis oder der Towi unsere Freunde und Freundinnen zu treffen.
Niemand von uns stellt die Institution der Polizei in Frage. Jeden Sonntagabend sehen wir im Tatort, wie wichtig die Arbeit der Polizeibeamten zur Aufklärung von Kriminalverbrechen ist, und deshalb sagen wir: Harry und Toto, weiter so!
Und die Arbeit der Polizei ist erfolgreich: die Kriminalitätsstatistiken sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahren. Jede Statistik zeigt regelmäßig und zuverlässig, dass ein Stadionbesuch, zumindest als Heimfan, wesentlich sicherer als der Besuch eines Volksfestes ist. Tausende von reiselustigen Fussballfans geben zuverlässig und regelmäßig jedes Wochenende ihr Geld beim Besuch anderer Städte aus. Pyro wird regelmäßig skandalisiert, dabei sind das alles nur Peanuts im Vergleich zu den Bränden und Explosionen, die es jedes Jahr zu Silvester gibt.
Und trotzdem werden in vielen Bundesländern, auch hier in Sachsen, die Befugnisse der Polizei und anderer Ordnungsbehörden ausgeweitet. Wir fragen: warum? 
Mit der Ausweitung der Befugnisse der Polizei steht unser Land Sachsen nicht alleine da, sondern folgt damit anderen Bundesländern und auch einem weltweiten Trend. Eine DER Begründungen ist dabei stets der Terrorismus. Die andere sollen hierzulande WIR sein, die Fußballfans, die auch auswärts unsere Goldfüße unterstützen. Wir alle wissen, dass die Skandalberichterstattung – wenn überhaupt – meist nur sehr sehr wenig Substanz hat: sei es nach unserem Auftritt als Football Army Dynamo Dresden in Karlsruhe, oder auch, um ein ganz aktuelles Beispiel zu nennen, die Berichte vor unserem Ausflug zum HSV, als im Vorfeld von hunderten gewaltbereiten Hooligans geschrieben wurde und “Alarmstufe Dynamo” herrschte. 
Worüber nicht geschrieben wurde, war der tragische Unfall eines Dynamofans, der in Hamburg zur S-Bahn wollte, von der Polizei aber auf den schlecht beleuchteten Rückweg zum Parkplatz gezwungen wurde, schwer stürzte, und wohl folgenschwere Verletzungen für seine Zukunft davon tragen wird. Ein tragisches Schicksal, dass das Leben einer ganzen Familie drastisch verändert hat und stellvertretend für eines steht:
Es ist die Haltung der Polizei und ihrer Dienstherren, der Politik, die uns Fußballfans regelmäßig als Übungsobjekt für befürchtete kommende Aufstände oder als einen Bauern auf dem Schachfeld der Politik nutzt: Nur mit der Darstellung von uns Fans als immer gewaltbereit, als enthemmt und stets betrunken, die nur mit Hilfe der Polizei mühsam im Zaum gehalten werden kann. Die Angst des Terrors von außen ist die Angst der Bevölkerung vor den Fußballfans im Inneren. 
Regelmäßig müssen Fußballfans und Pyro für die Forderungen von Politikern und Polizeigewerkschaftern nach mehr Polizei und härteren Strafen herhalten. 
Die aktuellen Vorgänge in Frankurt am Main zeigen eindrucksvoll, wie Fussballfans zum Spielball der Politik gemacht werden und die zuständige Polizei nur zu gern dabei ist. Da werden die persönlichen Befindlichkeiten des hessischen Innenministers Beuth als Vorwand genutzt, nicht nur Fanräume zu durchsuchen, sondern Fans, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden, zu überfallen und schwer zu verletzten. 
Wir alle hier wissen, dass das so gewollt ist. Sobald wir unserer Mannschaft in andere Städte folgen, sind wir kein Teil mehr der friedliebenden und steuerzahlenden Bevölkerung.
Wir protestieren hier und heute gegen die neuen Polizeigesetze in Sachsen und den anderen Bundesländern! 
Denn! Auch ohne diese neuen Gesetze werden unsere Grundrechte bereits eingeschränkt: durch geheime Datenbanken, die die Reisefreiheit einschränken. Durch die Möglichkeit jahrelanger Überwachung, wie es zum Beispiel bei Chemie Leipzig bekannt wurde. Durch Betretungsverbote, die uns am Besuch von Fußballspielen hindern, und die ganz praktisch die Reisefreiheit abschaffen. Durch gewalttätige Übergriffe der Polizei, die nicht geahndet werden, weil es keine Kennzeichnungspflicht gibt, und weil es faktisch unmöglich ist, im Nachhinein rechtlich gegen diese staatliche Gewalt vorzugehen. 
Es ist also nicht nur notwendig, gegen weitere Verletzungen unserer Grundrechte zu protestieren, sondern gegen die jetzt herrschenden Zustände zwischen „unserer“ Polizei und uns Fans:
Deshalb fordern wir:
1. Die Anerkennung unserer Grundrechte, unserem RECHT auf freie Meinungsäußerung!
2. Wir fordern die Rückkehr zum Rechtsstaat, der heute von den Politikern so dargestellt wird, als ob nur ein starker Staat diesen repräsentiert. Das Gegenteil ist der Fall: 
“Der Rechtsstaat zielt stets auf die Begrenzung und Eingrenzung staatlicher Macht im Interesse der Freiheit des Einzelnen.”* Deshalb: Polizistinnen und Polizisten: bummelt eure Überstunden ab, anstatt uns Fußballfans als Feindbild zu sehen!
3. Wir fordern das Ende der systematischen Polizeigewalt gegen ALLE Fußballfans!
Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft: Wir sind Freunde und Freundinnen, Schwestern, Brüder, Onkel und Tanten, Omas und Opas, und: Wir sind Dynamofans! 
Wir müssen solidarisch zusammenstehen und unsere Stimme gegen die Einschränkungen unserer Grundrechte und gegen Polizeigewalt erheben!
Wir möchten mit den Worten unserer Zwickauer Freunde schließen: 
30 Jahre Freiheit sind uns nicht genug! 
Gegen Polizeigewalt! Gegen die neuen Polizeigesetze!
 Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Dynamofans bedanken, die dem Aufruf gefolgt sind und an der Demo teilgenommen haben. Außerdem geht das Dankeschön an die Organisatoren und an die SGH (Schwarz-Gelbe-Hilfe) für den zweiten Redebeitrag am Stadion. 

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